Kreislaufmodell des Umsatzprozesses: Resümee

8.4.1  Ableitung von Schlussfolgerungen

a) Bedeutung eines sich selbst tragenden Wirtschaftskreislaufs

Die beispielbezogenen Darstellungen zur Ingangsetzung des Geschäftsbetriebs eines neu gegründeten Unternehmens als Kreislauf des Umsatzprozesses sollen verdeutlichen, welche Vielfalt von betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Zusammenhängen bei einem derartigen Vorhaben zu beachten sind und welche Anforderungen sich daraus an das Wissen und Können eines Unternehmensgründers ergeben.
Im Weiteren werden die wichtigsten Schlussfolgerungen aus den Darlegungen zum Kreislaufmodell noch einmal im Überblick zusammengefasst.

Als Erstes ist auf die Bedeutung der Ingangsetzung des Geschäftsbetriebs eines Unternehmens als sich selbst tragender Wirtschaftskreislauf zu verweisen:

Aus der visualisierten Gesamtdarstellung des Kreislaufs des Umsatzprozesses eines Unternehmens wird schon rein „optisch“ deutlich, dass ein Unternehmen im marktwirtschaftlichen Leistungs- und Preiswettbewerb nur dann erfolgreich bestehen kann, wenn es ihm – möglichst mit jedem realisierten Auftrag – gelingt, gewinnbringende Umsatzgeschäfte zu generieren.

So folgerichtig dies von der Sache her auch ist, die Wirtschaftspraxis zeigt, dass die Lösung dieser Aufgabe im zunehmend globalisierten Wettbewerb auch großen Unternehmen ungemein schwer fällt. Dabei ist vor allem auf folgende Konsequenz zu verweisen:
Gelingt es einem Unternehmen nicht, die genannte Aufgabe immer wieder neu zu meistern, dann hängt seine Existenz – falls keine ausreichenden Rücklagen vorhanden sind – allein davon ab, dass „von außen“ ausreichend Mittel in den Kreislauf eingespeist werden!
Ein solches „Einspeisen“ bedeutet – bildlich gesprochen – jedoch nicht anderes, als dass das Unternehmen „am Tropf hängt“, denn der Geschäftsbetrieb des Unternehmens könnte nur dadurch aufrechterhalten werden, dass

  • weitere Einlagen der bisherigen oder neuer Eigentümer (über Beteiligungen) getätigt oder
  • Kredite aufgenommen oder
  • staatliche Hilfen, z. B. durch Übernahme von Bürgschaften, geleistet werden.

Jeder dieser Varianten sind jedoch Grenzen gesetzt und führen – wie die Praxis zeigt – zu keiner Lösung des Problems, weder bei Existenzgründern noch bei den klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) oder bei den „ganz großen“ Unternehmen!

Kritisch ist die Situation insbesondere dann zu bewerten, wenn das Nichterreichen eines selbsttragenden Wirtschaftskreislaufes auSchwächen im Management zurückzuführen ist, und wenn diese Schwächen ihre Ursachen darin haben, dass das betriebswirtschaftliche, rechtliche und finanzwirtschaftliche Wissen und Können der Unternehmer bzw. der verantwortlichen Führungskräfte nicht den praktischen Anforderungen entspricht!

Belege für die Aussage liefern die täglichen Meldungen aus der Wirtschaft, zum Beispiel über eine bevorstehende Insolvenz von Unternehmen bzw. über bereits eingeleitete Insolvenzverfahren.


b) Betriebswirtschaftliche Kalkulationen und Abbildungen

Die Darstellungen zum Kreislaufmodell des Umsatzprozesses – und hier vor allem die nach jeder Phase gemachten zahlenmäßigen Angaben zum betrachteten Fallbeispiel – sollten ein erstes Verständnis für notwendige betriebswirtschaftlichen Kalkulationen und Abbildungen von Geschäftsaktivitäten wecken und zeigen, dass sich die Betriebswirtschaftslehre nicht allein mit verbalen Beschreibungen von Sachverhalten, sondern vor allem auch mit nüchternen Kalkulationen und Berechnungen zu befassen hat.

Dies betrifft zum Beispiel solche Aspekte wie

  • Ermittlung des Kapitalbedarfs für die Ingangsetzung des Geschäftsbetriebs eines Unternehmens (Phase 1),
  • Verdeutlichen der Zusammenhänge von „Verfügbaren Mitteln“ und „Mittelherkunft„, wobei es stets zu beachten galt, dass die Gleichung „Verfügbare Mittel = Mittelherkunft“ stets stimmt, was mit zur Konsequenz hat, dass der betriebswirtschaftliche Erfolg nach der Beziehung „Erfolg = Summe verfügbare Mittel ./. fremde Mittel ./. Anfangsbestand an eigenen Mitteln“ zu berechnen ist.
  • Sichtbarmachen der Zusammenhänge von Investition und Finanzierung, von Güterzugängen und den entsprechenden Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Phase 2),
  • Aufzeigen der betriebswirtschaftlichen Wirkungen in der Leistungserstellung mit Kosten- und Preiskalkulationen (Phase 3),
  • Aufzeigen des Entstehens und des Ausweises von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie eines Gewinns (insbesondere Phase 4),
  • Darstellung der jeweiligen Liquiditätssituation, insbesondere in Phase 5,
  • Sichtbarmachen der Wirkung von Entscheidungen über den Mittelabfluss (Phase 6) u. a.

Um als Unternehmer ein „betriebswirtschaftlicher Profi“ zu werden, ist es allerdings erforderlich, die in dieser Lernsoftware nur überblicksmäßig skizzierten Sachverhalte und Zusammenhänge weiter zu vertiefen, vor allem über das „Learning by doing„, aber auch durch das Studium der entsprechenden Fachliteratur.


c) Außen- und Innenfinanzierung

Die Darstellungen zum Kreislaufmodell des Umsatzprozesses haben grundlegende Bedeutung für das Verständnis von Außen– und Innenfinanzierung der Unternehmen.
Was in der einschlägigen betriebswirtschaftlichen Fachliteratur mit verbaler Beschreibung versucht wird, deutlich zu machen, findet bei der visualisierten Darstellung des Kreislaufmodells eine einleuchtende und einprägsame Erklärung:

  • Alle Mittel, die dem Unternehmen von Quellen außerhalb zugeführt werden, sind auf Formen der Außenfinanzierung zurückzuführen.
  • Alle Mittel, die in Verbindung mit dem Umsatzprozess erwirtschaftet wurden, führen – vom Grundsatz her – zu Formen der Innenfinanzierung.

Besonders wichtig ist das Zusammenführen von einbehaltenen Gewinnen und von Abschreibungsgegenwerten, denn dies führt zur Ermittlung des Cashflows als Gradmesser für die Beurteilung der Selbstfinanzierungskraft von Unternehmen

Die Kenntnis der unterschiedlichsten Formen der Unternehmensfinanzierung und ihre Zuordnung zu a) der Außenfinanzierung oder b) der Innenfinanzierung hat somit grundlegende Bedeutung für ein erfolgreiches Finanz- und Liquiditätsmanagement von Unternehmen.


8.4.2  Fallbeispiel Max Muster

a) Ergebnis nach Phase 6

Nach Ablauf des ersten Monats im gestarteten Umsatzprozess des Unternehmens E-Car-Services Max Muster e. K. wird ein Ergebnis von 7.569,600 EUR ausgewiesen.
Betrachtet man hier die Aufwandspositionen, so fällt auf, dass hier insbesondere Anlaufkosten ins Gewicht fallen (Beratungskosten, Werbungskosten, Versicherungen).
So gesehen, sollte das bislang erzielte finanzielle Ergebnis für die Weiterführung des Geschäftsbetriebs Mut machen. Wichtig ist, dass der Unternehmer hierfür noch über ausreichend liquide Mittel (Bankguthaben) verfügt und er bislang alle anstehenden Zahlungsverpflichtungen nachkommen konnte.


b) Ermittlung der zu erreichenden Gewinnschwelle

Da das Erwirtschaften eines finanziellen Überschusses (= Gewinn) eine unabdingbare Voraussetzung und zugleich Grundlage für das Fortbestehen eines – hier neu gegründeten – Unternehmens ist, muss sich der betreffende Unternehmer darüber Klarheit verschaffen,

  • bei welcher Umsatz- bzw. Auftragsgröße er die sog. Gewinnschwelle (Erlöse aus Umsatz = Gesamtkosten, Gewinn = 0) erreicht und ferner,
  • inwieweit die gegebene Kapazität in der Leistungserstellung ausreicht, diese Umsatzgröße auch abzusichern.

Im Falle des hier betrachteten Unternehmens hat die Bespielrechnung ergeben, dass der Unternehmer Max Muster Monat für Monat mindestens eine Umsatzgröße von 30.000 EUR erreichen muss, um seine Fixkosten und die zugehörigen variablen Kosten abzudecken. Erst ab eine monatlichen Umsatzgröße von 40.000 EUR wird eine akzeptable monatliche Gewinngröße erreicht.

So gesehen, bleibt für den Unternehmer noch viel Arbeit, um über weitere Kundenakquisen zu einer weitgehend stabilen Auftragssituation zu gelangen. Aber so ist das: Jeder Anfang ist nun mal schwer, und in der Marktwirtschaft wird niemanden etwas geschenkt!