a) Begriffsbestimmung
Die tägliche Wirtschaftspraxis zeigt: Eine Grundvoraussetzung für das erfolgreiche Bestehen der Unternehmen im marktwirtschaftlichen Leistungs- und Preiswettbewerb ist darin zu sehen, dass alle Unternehmensaktivitäten (Beschaffung von Leistungsfaktoren, Leistungserstellung, Absatz usw.) auf die Durchsetzung betriebswirtschaftlicher Erfordernisse hoher Innovationsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit, Produktivität und Rentabilität bei steter Gewährleistung der Liquidität des Unternehmens ausgerichtet sind.
Dies führt uns zu folgender Begriffsbestimmung:
Unter Betriebswirtschaft ist jenes kundenorientierte, innovative und planvolle Wirtschaften von Unternehmen im marktwirtschaftlichen Leistungs- und Preiswettbewerb zu verstehen, das mit dem Ziel gestaltet und gesteuert wird,
- die für die Fremdbedarfsdeckung erstellten Erzeugnisse und Leistungen auf den Absatzmärkten zu Umsätzen zu führen,
- dabei Gewinne zu erwirtschaften,
- im gesamten Unternehmensprozess den Erfordernissen hoher Wirtschaftlichkeit, Produktivität und Rentabilität Rechnung zu tragen sowie
- die Liquidität des Unternehmens zu gewährleisten.
Diese hier so hervorgehobene ökonomische Seite des Handelns von Unternehmen steht in enger Wechselwirkung zu
- technisch-technologischen Prozess- und Umweltbedingungen und entsprechenden Einflussfaktoren,
- rechtlichen Rahmenbedingungen und Zusammenhängen,
- sozialen Erfordernissen, Bedingungen und Auswirkungen sowie
- ökologischen Nutzungsbedingungen, aber auch Auswirkungen und Folgen der Unternehmenstätigkeit.

Es ist schon ein kleines Phänomen: Zum Thema „Betriebswirtschaftslehre“ gibt es -zig Fach- und Lehrbücher, aber eine Begriffsbestimmung zur „Betriebswirtschaft“ selbst ist darin nicht zu finden.
Dabei ist es – wie hier gezeigt werden soll – durchaus wichtig, zwischen „Betriebswirtschaft“ (als reales, planvolles Wirtschaften von Unternehmen“ und der Lehr- und Wissenschaftsdisziplin „Betriebswirtschaftslehre“ zu unterscheiden!
b) Ebenen der Tätigkeit von Unternehmen
Die Betriebswirtschaft der Unternehmen vollzieht sich in der Praxis in drei Ebenen:
- in der Ebene des eigentlichen Betriebsprozesses im Zusammenspiel von Beschaffung – Leistungserstellung – Leistungsverwertung und Zahlungsverkehr als Bestandteil der Finanzierung (Ebene 1),
- in der Ebene des Finanzprozesses (Zusammenwirken des Unternehmens mit Kreditinstituten bei der Unternehmensfinanzierung sowie hinsichtlich der Gestaltung von Finanzanlagen, Beteiligungen und dgl., Ebene 2) sowie
- in der Ebene Unternehmen – Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Kommunen), vor allem im Zusammenhang mit Steuern und Abgaben, aber auch hinsichtlich der Nutzung von Fördermitteln (Ebene 3).

Diese drei Ebenen spiegeln sich im Übrigen auch im Aufbau der Erfolgsrechnung nach dem Gesamtkosten- bzw. Umsatzkostenverfahren (lt. HGB) wider.
c) Neue Anforderungen: Internationalisierung der Wirtschaft, Globalisierung
Die Betriebswirtschaft der Unternehmen muss sich ständig neuen Anforderungen stellen, um „auf der Höhe der Zeit“ zu bleiben.
Auf einige dieser Anforderungen wird nachfolgend näher eingegangen.
Die Entwicklung des Wirtschaftsgeschehens im weltweiten Maßstab wird seit Jahren eindeutig geprägt durch die Tendenz zur Internationalisierung der Wirtschaftsaktivitäten der Unternehmen sowie durch die zunehmende weltweite Verflechtung in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation und anderen, was mit dem Terminus „Globalisierung“ zum Ausdruck gebracht wird.
Von dieser Tendenz in der Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen profitieren heute nicht nur große Unternehmen, sondern zunehmend auch mittelständische Betriebe.
Als Globalisierung wird der Vorgang der zunehmenden weltweiten Verflechtung in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation und anderen bezeichnet, wobei sich diese Verflechtung sowohl auf der Ebene der Volkswirtschaften/Staaten, aber auch auf der Ebene von Institutionen und Individuen zeigt.
Eine wesentliche Ursache dieser Tendenz ist der technische Fortschritt, insbesondere auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnik (Entstehen von „ortslosen“ Fabriken im weltweiten kommunikativen Verbund) sowie die Entscheidungen zur Liberalisierung des Welthandels.
Hieraus erwachsen für die Unternehmen – wie die Praxis zeigt – sowohl Chancen als auch Risiken und nicht immer erweist sich die Strategie „Big is beautiful“ als richtig.

d) Neue Anforderungen: E-Commerce, E-Business, Digitalisierung der Wirtschaft
Die Ausgestaltung und die Nutzung von elektronischen Märkten revolutioniert nicht nur das Vorgehen im Marketing, sondern führt über das E-Commerce und E-Business auch zu grundlegenden Veränderungen in der Abwicklung komplexer Geschäftsprozesse in den arbeitsteiligen Wirtschaftskreisläufen, im Zahlungsverkehr, im Finanzmanagement und in anderen Bereichen der Unternehmenstätigkeit.
Immer deutlicher wird in diesem Zusammenhang, das Information – als zweckbestimmtes Wissen – zum Leistungsfaktor Nr. 1 wird:
Betriebswirtschaft wird zum professionell gesteuerten Informations- und Wissensmanagement!
Damit sind grundlegende Veränderungen im System und in den Methoden der Betriebswirtschaft in Richtung eines computer- und internet-integrierten Wirtschaftens im Rahmen mehr oder weniger großer Unternehmensnetzwerke verbunden, worin auch die Informationsbeziehungen zu den öffentlichen Verwaltungen, zu Banken u. a. eingeschlossen sind.
Unter Electronic Commerce ist die umfassende digitale Abwicklung von Geschäftsprozessen zwischen Einrichtungen (Unternehmen, Betriebe, Verwaltungen) und deren Geschäftspartnern über das Internet zu verstehen.
In diese Geschäftsprozesse können weitere, auf der Internet-Technologie basierende Informations- und Kommunikationssysteme eingebunden sein.
Geschäftspartner sind dabei vor allem Lieferanten, Kunden, Kreditinstitute, Online-Dienstleister, Behörden u. a.
Electronic Commerce beinhaltet vor allem
– Angebot und Kauf von Waren und Dienstleistungen über Internet,
– digitale Bezahlung von Gütern,
– direkte Übermittlung digitaler Güter zum Nutzer bzw. Käufer u. a.
Technische Plattform, Schaufenster und Point of Sale des E-Commerce ist das Internet.
Darüber hinaus bilden die Systeme des Online-Banking sowie die schon lange genutzten Systeme des Electronic Data Interchange (EDI) eine wichtige Basis des E-Commerce.
Unter Electronic-Business ist die informationstechnologische und inhaltliche Integration der externen Online-Aktivitäten eines Unternehmens, vor allem im Rahmen des E-Commerce, mit den internen Geschäftsprozessen und Geschäftsabläufen, vor allem im Bereich Produktentwicklung, Beschaffung (E-Procurement), Buchhaltung, Zahlungsverkehr, Vertrieb u. a. zu verstehen.
Wesentliche Grundlagen des E-Business sind
- das Vorhandensein eines leistungsfähigen Intranets,
- die Sicherung stabiler kommunikativer Verbindungen zu den Partnern über den Elektronischen Datenaustausch (EDI,
- die intensive Nutzung des Online-Bankings und
- die Verbindung zu den Intranets anderer Partner über ein Extranet.

Seit geraumer Zeit werden die Entwicklungen bei zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ diskutiert.
Zweifellos eröffnen sich durch den umfassenden und vernetzten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik, von künstlicher Intelligenz und Robotik neue Möglichkeiten zur Verkürzung von Produktionszyklen, zur Steigerung der Produktivität, zu Vernetzung verschiedenster Lebens- und Arbeitsbereiche u. a. m.
Dies führt zur revolutionierenden Veränderung der traditionellen Geschäfts- und Arbeitswelt und damit auch zu neuen Anforderungen an die Ausgestaltung der Betriebswirtschaft der Unternehmen.
e) Neue Anforderungen: Supply-Chain-Management
Der Weg von Lieferanten (Beschaffungsmarkt) über weitere Zulieferbetriebe bis zum Finalproduzenten und weiter bis zum Endkunden stellt eine logistische Kette mit vielen Schnittstellen (Koppelstellen) dar.
Ein wichtiges Ziel der logistischen Steuerung von Stoff- und Informationsflüssen besteht darin, die Schnittstellen unternehmensübergreifend so aufeinander abzustimmen, dass die Versorgungskette zuverlässig, reibungslos und mit minimalen Kosten gelenkt werden kann.
Dies ist nur unter Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnik sowie durch Anwendung von Lösungen für den entsprechenden Informations- und Datenaustausch (EDI – Electronic Data Interchange) realisierbar.
Als welt-weit einheitliches Format wird hierbei das Format EDIFACT (Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport) genutzt.
Derartige Lösungen werden auch mit dem Terminus „Supply Chain Management (SCM)“ bezeichnet, woraus sich gleichfalls neue Anforderungen an die Ausgestaltung der Betriebswirtschaft der daran beteiligten Unternehmen ergeben.
Als Supply-Chain-Management (SCM) wird ein IT-gestütztes Lieferkettenmanagement bezeichnet, das auf einer längerfristigen kooperativen unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit bei der Planung, Organisation, Steuerung und Kontrolle von untereinander vernetzten Güter-, Finanz- und Informationsflüssen, ausgehend von der Rohstoffgewinnung über die Veredelungsstufen bis hin zum Endverbraucher, beruht und das darauf abzielt, den gesamten Wertschöpfungsprozess wirtschaftlich und flexibel zu gestalten und eine hohe Versorgungssicherheit, orientiert an Endkunden, zu gewährleisten.
Auf diese Weise sollen die Kundenzufriedenheit verbessert, die Auswirkungen von Schwankungen in der Endkundennachfrage auf vorgelagerte Prozesse („Bullwhip-Effekt“) besser ausgeglichen und Lieferzeiten verkürzt sowie Lagerbestände reduziert werden.

f) Neue Anforderungen: Gestaltung der Unternehmen zu „lernenden Organisationen“
Die eingetretenen und sich auch künftig abzeichnenden Veränderungen auf den Märkten sowie im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld verlangen eine moderne, flexible Organisation der Unternehmensprozesse sowie adäquate Formen der Kooperation innerhalb des Unternehmens und zu Partnern im Umfeld der Unternehmen, mit denen die bisherigen, meist starren und hierarchisch geprägten Strukturen und Formen der Zusammenarbeit überwunden werden.
Dies bedeutet sind vor allem:
- flache Hierarchien in der Aufbauorganisation des Unternehmens,
- Schaffung flexibler Strukturen und Partnerschaften in den Beziehungen zwischen Herstellern und Kunden einerseits und zwischen Herstellern und Lieferanten sowie Kooperationspartnern andererseits,
- Entwicklung und Festigung neuer Denk- und Handlungsmuster der Führungskräfte und Mitarbeiter, vor allem im Sinne von Bereitschaft zu Veränderungen, zu mehr Verantwortungsübernahme, zur Arbeit in befristet zusammengesetzten Teams u. a.,
- Stärkung der Methoden- und Sozialkompetenz, ohne die Verbesserung der Fachkompetenz zu vernachlässigen,
- Einordnung des Wissensmanagements als Voraussetzung für die Gestaltung einer lernenden Organisation u. a.
Als lernende Organisation wird ein System (z. B. ein Unternehmen) bezeichnet, das Ereignisse, sich abzeichnende Trends, erkannte Schwachstellen und dgl. als Anregung aufgefasst und nutzt, um die eigene Wissensbasis zu erweitern und um – möglichst antizipatorisch („vorwegnehmend“) – die eigenen Handlungen an die neuen Erfordernisse und Umweltbedingungen anzupassen bzw. innovativ auszurichten (siehe Bild 4.06).
Lernende Organisation zeichnen sich vor allem durch
- Erstellen und Überarbeiten zukunftsorientierter Visionen für die Systementwicklung mit Orientierung am Nutzen für Kunden,
- die Fähigkeit zur kritischen Selbsteinschätzung und zur Prognose künftiger Entwicklungen, verbunden mit gut funktionierenden Frühwarnsystemen und entsprechenden Informations- und Kommunikationssystemen,
- gemeinsame Zielsetzungsprozesse, Kooperations- und Konfliktlösungsfähigkeit, verbunden mit wechselseitiges Vertrauen und Teamgeist im System,
- Systemherangehen, Prozessorientierung und weitgehende Selbststeuerungen der Teilsysteme,
- Anwendung eines kooperativen und partizipativen Führungsstils, verbunden mit der Unterstützung neuer Ideen, Belohnung von Engagement, aber auch mit Fehlertoleranz bei riskanten Vorhaben,
- Integration von Personal- und Organisationsentwicklung u. a.
Entscheidend für den Erfolg eines solchen Konzepts einer lernenden Organisation ist eine im betreffenden Unternehmen ausgeprägte Kultur der Veränderungsbereitschaft sowie eine Führung im Sinne eines Change-Managements, die die Kultur der Veränderungsbereitschaft vorlebt und ständige Anpassung vorantreibt!









