a) Problemstellung
Die Wahl der Rechtsform gehört – wie dargestellt – zu den konstitutiven Entscheidungen bei der Existenzgründung.
Es ist daher immens wichtig, dass sich Gründungswillige im Rahmen der Vorbereitung auf die Existenzgründung einen detaillierten Einblick in die gesellschaftsrechtlichen Merkmale und Eigenheiten von Rechtsformen der Unternehmen verschaffen.
Da zu diesem Thema sicherlich schon Einiges bekannt ist, sollte es nicht schwerfallen, einige Einstiegsfragen zu beantworten.
b) Gesellschaftsrechtliche Grundlagen
Das Gesellschaftsrecht ist ein Teil des besonderen Privatrechts. Es entstand aus dem Bedürfnis, Gesellschaften zum Zwecke der Kapitalbeschaffung, der Risikobegrenzung, der Ausnutzung von Synergieeffekten u. a. zu gründen und zu betreiben.
Eine Gesellschaft ist eine vertragliche Verbindung mehrerer (natürlicher und/oder juristischer) Personen zur Erreichung und Förderung eines gemeinsamen Zwecks.
„Durch den Gesellschaftsvertrag verpflichten sich die Gesellschafter gegenseitig, die Erreichung eines gemeinsamen Zwecks in der durch den Vertrag bestimmten Weise zu fördern…“ (§ 705 BGB).
Die wichtigsten Rechtsquellen des Gesellschaftsrechts sind in nachstehender Abbildung angegeben.

Das Gesellschaftsrecht regelt vor allem
- die Arten möglicher Gesellschaften im oben definierten Sinne,
- die Gründung der betreffenden Gesellschaften,
- die innere Ausgestaltung der Gesellschaften (Geschäftsführung u. a.),
- die Rechtsverhältnisse zu Dritten (Vertretung, Haftung u. a.) sowie
- die Beendigung/Auflösung der Gesellschaften.
c) Rechtsformen privater Unternehmen
Die Rechtsform eines Unternehmens hat – wie bereits mehrfach hervorgehoben – weitreichende Auswirkungen auf die wirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Handlungs- bzw. Ausgestaltungsmöglichkeiten des Unternehmens. Im Hinblick auf eine Existenzgründung sollte sich der Gründer für eine der gebräuchlichsten Rechtsformen entscheiden, da es hierfür ausreichend Musterverträge und andere gesicherte Erkenntnisse zu Vor- und Nachteilen der betreffenden Rechtsform gibt.
Eine Übersicht über die Wirkungen einer Rechtsform sowie über die gebräuchlichsten Rechtsformen des Privatrechts wurde bereits Abschnitt 2.2.2 gegeben.

d) Rechtsformen der Unternehmen: Tabellarische Übersicht
| Nr. | Rechtsform | Grundlagen |
| 1. | Einzelunternehmen | Ist- bzw. Kannkaufmann nach § 1 bzw. § 2 HGB |
| 2. | Personengesellschaften | |
| a) Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) bzw. BGB-Gesellschaft | §§ 705 – 740 BGB | |
| b) Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV) | siehe EWIV.pdf | |
| c) Offene Handelsgesellschaft (OHG) | §§ 105 – 160 HGB | |
| d) Kommanditgesellschaft (KG) | §§ 161 – 177 HGB | |
| e) Stille Gesellschaft (StG) | §§ 335 – 342 HGB | |
| 3. | Kapitalgesellschaften | |
| a1) Aktiengesellschaft (AG) | AktG | |
| a2) Europäische Gesellschaft (Societas Europaea) – seit 2004 | SEEG (Gesetz zur Einführung der Europäischen Gesellschaft) | |
| b) Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis (KGaA) | §§ 161 – 177 HGB und AktG | |
| c1) Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) | GmbHG | |
| c2) Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) – seit 2008 | § 5a GmbHG | |
| 4. | Mischformen (Personen- und Kapitalgesellschaften) | |
| a) GmbH & Co KG | §§ 161 – 177 HGB und GmbHG | |
| b) Doppelgesellschaft | ||
| 5. | Genossenschaft (e. G.) | GenG |
| 6. | Sonderformen | |
| a) Reederei | §§ 484 – 510 HGB | |
| b) Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG) | VAG und AktG | |
| c) Bergrechtliche Gewerkschaft (bG) | Landesrecht und BGB | |
| d) Kolonialgesellschaft | ||
| 7. | Privatrechtliche Stiftungen | |
| 8. | Rechtsfähiger und nicht rechtsfähiger Verein (e. V.) | §§ 21 ff. BGB |
| 9. | Partnerschaftsgesellschaft (PartGes) | PartGG |
Ausgewählte Rechtsformen werden nachfolgend näher erläutert.








